Wer sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad durch Wien bewegt, wird es bemerkt haben: Der Elektromotor erobert die Stadt. Zumindest dort, wo es Rad- und Fußwege gibt. Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht ein neues Gefährt auf den Markt kommt mit der stolzen Aufschrift „Ich bin ein Fahrrad“. Darunter auch Fahrzeuge, die eher einem Motorroller oder gar einem kleinen Auto gleichen. 70 bis mehrere hundert Kilo schwer, fahren sie wesentlich schneller als Fahrräder, die mit Muskelkraft angetrieben werden. Mit entsprechender Wucht sind Elektromobile dort unterwegs, wo Menschen eigentlich sorglos flanieren oder radfahren könnten.
Tatsächlich gilt in Österreich sehr vieles als „Fahrrad“, ohne von Pedalen angetrieben zu werden oder ohne über solche zu verfügen. Das Kraftfahrgesetz, die Straßenverkehrsordnung und die Fahrrad-Verordnung erlauben eine große Bandbreite an Fahrzeugen. Solange es sich um Fahrzeuge handelt, die 25 km/h Bauartgeschwindigkeit und 250 Watt Nenndauerleistung nicht überschreiten. Das hat zur Folge, dass Elektrofahrzeuge etliche Privilegien genießen, die ein Kraftfahrzeug nicht hat: Sie dürfen die Radinfrastruktur nutzen, auch in freigegebene Fußgänger:innenzonen einfahren, brauchen keine Zulassung, keine Versicherung und dürfen sogar am Gehsteig parken. Radfahrende müssen sich also zunehmend ihre Verkehrsfläche mit motorisierten Fahrzeugen teilen, die eine höhere Durchschnittsgeschwindigkeit aufweisen.
Gefährdung von Zu-Fuß-Gehenden
Aber auch Zu-Fuß-Gehende sind betroffen. Das Radfahren ist auf gemischten Geh- und Radwege sowie bei einem Großteil der Fußgänger:innenzonen erlaubt. Somit sind schwere und schnelle E-Mopeds dort unterwegs, wo eigentlich Zu-Fuß-Gehende den Vorrang haben. Österreichweit ist sogar der überwiegende Teil an Radfahranlagen mit dem Fußverkehr gemischt. Auch die Querung von Radwegen für Zu-Fuß-Gehende wird durch immer schnellere und schwerere E-Mopeds und E-Scooter schwieriger.
Was ist das Problem?
Da diese Gefährte deutlich schwerer und schneller als Fahrräder und Pedelecs sind, sind Unfälle mit diesen auch ungleich gefährlicher und schwerer. Zudem macht die erhöhte Geschwindigkeit dieser Fahrzeuge zunehmend Probleme: Beim Einfädeln für andere Fahrradfahrende, für Zu-Fuß-Gehende beim Queren oder für Kinder am Radweg.